Outdoorzelte fotografieren – ein Beruf?

Die Frage in der Titelzeile klingt für manchen absurd: Outdoorzelte fotografieren – ein Beruf? Aber wenn Fotografen Tiere oder Menschen, Nackte oder Mode-Ikonen fotografieren können und dies zu ihrem fotografischen Lebensthema machen, dann kann man ganz sicher auch anderes fotografieren und gut davon leben. Manche spezialisierten Fotografen inszenieren beispielsweise Essen für Kochzeitschriften, andere lichten nur Kinder für einen Modekatalog oder Männer für ein Männermagazin ab.

Doch natürlich ist es ungewöhnlich, alleine vom Outdoorzelte fotografieren leben zu wollen. Wahrscheinlicher ist es, dass man eine Art Freizeit-Abenteurer ist, der eine Anstellung als Verkäufer und nebenberuflicher Fotograf in einem Geschäft für Camping- und Trekkingbedarf hat. Es kann auch sein, dass eine Trekkingbedarfs-Kette einen oder mehrere professionelle Fotografen engagiert, die mit auf Foto-Tour gehen. In dieser Funktion geht es darum, solche Zelte und anderen Trekkingbedarf in der Landschaft zu fotografieren, in der sie getestet werden. Schließlich braucht der Händler, in dem die Zelte anschließend verkauft werden sollen, aussagekräftige Fotos für seinen Katalog, seine Homepage und bestimmte Werbeaktionen, die beispielsweise eine Marke herausstellen sollen. Heute ist es in diesem hochklassigen Segment des Warenhandels undenkbar, nur ein Outdoor-Zelt in eine beliebige Kulisse zu stellen und abzudrücken. Man kauft als Kunde auch einen Lifestyle und will genau wissen, welche Eigenschaften ein Outdoorzelt hat. Botschaften in Katalogen bleiben eher hängen, wenn sie visuelle Botschaften sind. Texte und Beschreibungen vergißt man schneller: Ein gelungenes Foto von einem winzig wirkenden, hellblauen Zelt vor spektakulärer Bergkulisse aber nicht so leicht. Vor allem weckt es Reiselust – und darum geht es ja ebenfalls!

Um so ein Foto hinzubekommen, braucht man eine hochklassige Ausrüstung und eine Ausbildung als Fotograf. Es schadet nichts, wenn man weitere Qualifikationen mitbringt – beispielsweise ein gutes Auge für Motive, Schwindelfreiheit, Welterfahrenheit, technische Kenntnisse oder Bergsteigerqualitäten. Es kommt allerdings ganz darauf an, was für eine Art Outdoorzelte man aufnehmen soll. Schließlich gibt es auch Zirkuszelte, Messezelte, Festzelte, Jahrmarktzelte, Campingzelte, zeltartige Markstände und dergleichen, die ebenfalls gelegentlich für Kataloge fotografiert werden sollen. Dies allerdings geschieht mit deutlich weniger Aufwand und der Fotograf hat mit Sicherheit auch andere Aufträge. Muss man Künstler sein, um Outdoorzelte zu fotografieren? Eine gute Frage. Sind Fotografen nicht immer Künstler? Von der Profession her ganz sicher, vom Blick für die Motive aber nicht immer. Als Industriefotograf legt man auf andere Präsentationen und Blickwinkel wert. Letzten Endes entscheiden der Anspruch und die Aussage eines Bildes, ob es Kunst ist oder “nur” Gebrauchskunst. Die Grenzen sind häufig fließend.